Ära Tomas Lopez beim TuS beendet!

erstellt am: 21.12.2018 | von: admin | Kategorie(n): Alle

Paukenschlag beim TuS Oberwinter: Nach 15 Jahren endet die Ära Lopez

Tomas Lopez trainiert nach fast 15 Jahren nicht mehr den Fußball-Rheinlandligisten TuS Oberwinter – an diesen Gedanken muss man sich erst einmal gewöhnen . Aber nach einer Sitzung mit dem Vorsitzenden Antonio Lopez, dem Sportlichen Leiter Helmut Born sowie dem Spielerrat mit Kapitän und Torwart Benjamin Kauert, Mirco Koll, Jonas Jaber, Fabian Münch und Tobias Nuhn ist die Entscheidung gefallen, angesichts der bedrohlichen sportlichen Situation die jahrelange Zusammenarbeit zu beenden.

Eine schwierige Entscheidung, speziell für Antonio Lopez, den Bruder von Tomas Lopez: „Ich habe sie schweren Herzens mitgetragen, möchte sie aber aus naheliegenden Gründen nicht weiter kommentieren“, sagt der Vorsitzende. „Ich kann mit der Entscheidung leben und hege überhaupt keinen Groll“, stellt sein Bruder Tomas klar. Einen Nachfolger gibt es noch nicht, intensive Gespräche laufen aber bereits.

Ebenfalls freigestellt wurde Mario Brötz als Co-Trainer, auch schon seit Jahr und Tag im Verein. Weshalb die emotionale Bindung so stark ist, dass er sich vorstellen kann, als Spieler zu bleiben und im Abstiegskampf zu helfen – eine durchaus bezeichnende Einstellung. „Das ist ja auch unsere Vereinsphilosophie. Wir haben schon immer familiäre Leidenschaft gegen Geld und Profitum gestellt“, betont der Vorsitzende Lopez.

Was auch in der Person seines Bruders deutlich wird: Lopez gehört seit seinem 17. Lebensjahr dem TuS an, hat dort neun Jahre in der ersten Mannschaft gespielt, dann drei Jahre die Reserve trainiert, ehe der heute 46-Jährige 2004 die erste Mannschaft übernahm und mit viel Akribie und Herzblut das Erbe von Hartmut Giebler antrat, der zuvor dort auch schon eine gefühlte Ewigkeit (20 Jahre) als Trainer die sportlichen Geschicke leitete. „Ich bin jetzt 29 Jahre im Verein, und 80 Prozent davon waren schön“, sagt Lopez.

„Es war natürlich keine leichte Entscheidung“, berichtet der Sportliche Leiter Helmut Born: „Aber wir haben keine andere Lösung gesehen, der Druck auch von den Spielern ist zu groß geworden. Wir wollten so jetzt noch mal ein sportliches Zeichen setzen.“

Schwierigkeiten untereinander habe es aber nicht gegeben, versichert Kapitän und Torwart Kauert, selbst schon seit Jahren im Verein, bereits zu Giebler-Zeiten: „Da waren keine Spannungen. Aber manchmal braucht man einfach frischen Wind. Wirges hat ja auch seinen Trainer gewechselt.“ Beim direkten Konkurrenten im Abstiegskampf war zuletzt Serkan Öztürk auf Nikolai Foroutan gefolgt.

Nun also soll auch in Oberwinter mit einem neuen Trainer das scheinbar Unmögliche noch gelingen. Nach einer bislang deprimierenden Saison ist der TuS als abgeschlagener Tabellenletzter (elf Punkte aus 21 Spielen) in die Winterpause gegangen. Zuletzt gegen den direkten Konkurrenten Wirges gab es nur ein 1:1, womit der Abstand auf den Vorletzten zwei, auf den Drittletzten SG Hochwald zehn und auf den Viertletzten SG Ellscheid schon elf Punkte beträgt. Bislang gelang noch kein Heimsieg, auswärts sprangen zwei Siege heraus (4:3 in Mayen und 5:2 bei der SG Neitersen).

Überraschend kommt die sportliche Misere im Gegensatz zu der Entlassung von Lopez nicht. Schließlich hatte der TuS im Sommer einen gewaltigen Umbruch zu bewältigen, verließen doch gleich acht Spieler den Verein oder legten eine Pause ein, darunter einige Leistungsträger: Sebastian Sonntag, Furkan Kalin und Paul Gemein (alle zum Ahrweiler BC), Dane Irmgartz (SG Heimersheim), Enrico Dresen und Jordan Schmidt (mussten kürzertreten), Muhammad Dogan (SV Beuel). Thomas Enke stand beruflich bedingt nicht immer zur Verfügung.

Ein Aderlass, der nicht kompensiert werden konnte, kamen zum einen doch vornehmlich viele junge Spieler neu. Die meisten aus dem Bonner Raum, wo die Sommerpause später begonnen hatte, sodass ihnen wenig bis keine Regenerationszeit blieb.

Zudem gab es schon von Beginn an immer wieder viele Verletzte. Die Neuzugänge Antonio Halfen und Leo Welter etwa haben noch kein Spiel bestreiten können. „Bislang hat die bestmögliche Mannschaft noch nicht ein Mal auf dem Platz gestanden“, sagt Lopez, der sich jetzt erst einmal auf ein halbes Jahr Ruhe freut: „Wenn sich dann ein Verein meldet, würde ich mich freuen, ich bin gern Trainer.“

Weiteres Problem in dieser Saison: eine eklatante Abschlussschwäche (erst 23 Tore, nur Wirges traf seltener/21). Nun sind dem TuS prekäre Situationen nicht unbekannt. Schon in der vergangenen Saison hatte Oberwinter, damals als Aufsteiger, auch auf einem Abstiegsplatz überwintert, dann nach dem Jahreswechsel mit sieben Siegen aber den Klassenverbleib noch perfekt gemacht.

Das gelang in der Saison 2014/2015 nicht, als der TuS, nach fünf Jahren in der Bezirksliga wieder in die Rheinlandliga aufgestiegen, gleich wieder runtermusste – mit Trainer Tomas Lopez. Was war damals denn anders, dass der Wunsch nach frischem Wind nicht schon da aufgekommen ist? „Da müssen Sie die anderen fragen“, antwortet Tomas Lopez, fügt aber auch an: „Vielleicht haben die, die in der zweiten Reihe gestanden haben, jetzt ihre Chance gesehen.“ Kapitän Kauert meint derweil ganz allgemein: „Damals waren die Umstände halt anders.“

Abschreiben will er diese Saison trotz der misslichen Lage noch nicht: „Wir glauben daran, dass wir noch was reißen können.“ Woran er sich auch an den Strohhalm klammert, dass es in dieser Saison vielleicht keine drei Absteiger geben könnte. Marcus Pauly
Quelle:Rhein-Zeitung