In der Not glänzt der Torwart eben als Stürmer

Not macht erfinderisch – und schreibt dann schon mal ganz eigene Geschichten. So wie diese: Eigentlich ist Thomas Jungbluth als Torwart dafür zuständig, Tore zu verhindern. Angesichts der großen personellen Not, die derzeit beim Fußball-Rheinlandligisten TuS Oberwinter herrscht, ist der 21-jährige Ersatzmann jetzt im Testspiel zu Hause gegen den Bezirksligisten SG Mülheim-Kärlich II kurzerhand in den Sturm gegangen – und hat nicht nur wegen eines Treffers zum 2:1 (1:0)-Sieg beigetragen.

Jonas Jaber hatte das Rheinlandligaschlusslicht per Abstauber mit 1:0 in Führung gebracht (35.), Jungbluth per Handelfmeter, den er selbst herbeigeführt hat, auf 2:0 erhöhte (50.), ehe die Gäste noch auf 1:2 verkürzten (76.)

„Er hat seine Sache gut gemacht. So stelle ich mir einen Stürmer vor“, meint Co-Trainer Bünyamin Kilic mit Blick auf die engagierte Leistung des Torwarts. Dass der auf dem Feld zum Einsatz kam, bringt freilich auch die ganze personelle Not beim TuS zum Ausdruck. „Das habe ich in dieser Form so auch noch nicht erlebt“, bedauert Trainer Deniz Öztürk. „Beim Training haben wir im Schnitt vielleicht acht Spieler zur Verfügung“, ergänzt Kilic.

Weshalb gegen die Mülheimer Reserve mit Philipp Auster und Levin Möckel nicht nur zwei Spieler aus der Reserve (Kreisliga D) aushalfen, sondern mit Mario Brötz auch einer, der sich nur noch auf seine Aufgabe als Sportlicher Leiter konzentrieren und allenfalls in der Reserve aushelfen möchte.

„Dafür war es in Ordnung, und ein Sieg ist auch gut für die Moral, wenn auch fußballerisch noch nicht alles so war, wie ich mir das vorstelle. Aber wie sollte es auch anders sein?“, so Öztürk. Zumal Oberwinter zum ersten Mal in einem 4:3:3-System gespielt hat. 19 Spieler umfasst der Kader nunmehr, nachdem sich Leo Welter und Julian Merken in der Winterpause aus privaten Gründen abgemeldet haben. Da fällt es dann schwer ins Gewicht, dass Mohamed Ahardane wohl erst in acht Wochen wieder richtig fit sein wird, Mario Müller an Leistenproblemen laboriert, sich René Erbersbach gerade erst einen Muskelfaserriss zugezogen hat und Thomas Enke beruflich bedingt nur freitags beim Training sein kann. Abgesehen von anderen Wehwehchen oder Problemen, die den einen oder anderen hier und da vom Training abhalten. Öztürk bemüht sich dennoch um eine positive Sicht: „Besser jetzt als zu Saisonbeginn.“

Dass Bezirksligist FC Metternich das für Samstag geplante Testspiel abgeblasen hat, passt ins Bild. Nun suchen die Verantwortlichen beim TuS kurzfristig nach einem anderen Testspielgegner für Samstag. Der Sonntag fällt als Termin flach: Da sind die Torhüter verhindert. Und wie wichtig die sind, hat sich gerade erst wieder gezeigt. map

Quelle:Rhein-Zeitung

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