Pikante Konstellation verleiht dem Derby Extra-Würze. Eigentlich bedürfen Lokalduelle keiner besonderen Befeuerung im Vorfeld – sie sorgen ohnehin schon für erwartungsvolle Vorfreude. Wenn die Konstellation aber zusätzlich weitere Würze verleiht – umso besser.

Und die Konstellation vor dem Derby in der FußballRheinlandliga am Samstag (17 Uhr) zwischen dem TuS Oberwinter und dem Ahrweiler BC sorgt für einige Würze. Angefangen damit, dass direkte Duelle zwischen den beiden alten Rivalen zuletzt rar gesät waren – das Hinspiel im Oktober war das erste Aufeinandertreffen seit rund fünfeinhalb Jahren –, über den Umstand, dass einige Spieler schon auf beiden Seiten aktiv waren (Yannick Schweigert, Sebastian Sonntag, Paul Gemein und Furkan Kalin kamen vom Oberwinter zum ABC) bis hin zur sportlichen Bedeutung. Der Umstand, dass der Tabellendritte beim Schlusslicht antritt, verschleiert etwas die aktuellen Umstände. Denn nach Wertung nur der Spiele in diesem Kalenderjahr erwartet der Vierte den Ersten. Und für beide Mannschaften geht’s um was, sogar um eine ganze Menge, genauer gesagt. „Das ist ein Schlüsselspiel für den Rest der Saison – für beide“, meint ABC-Trainer Jonny Susa sogar.

Das Reizvolle dabei: Für Oberwinter und Ahrweiler gibt es jeweils mehr zu verlieren als zu gewinnen. Mit einem Sieg hielten sich beide alle Optionen offen, Ahrweiler im Aufstiegsrennen, Oberwinter im Abstiegskampf. Mit einer Niederlage droht das jeweilige Ziel weiter aus dem Blick zu geraten, haben beide doch ohnehin schon Rückstand gegenüber ihrer Konkurrenz. Natürlich gehören kleine psychologische Nadelstiche im Vorfeld dazu, ebenso die Frage, wer Favorit ist oder den größeren Druck hat. So sagt Susa: „Der Druck liegt bei Oberwinter. Sie sind unter Zugzwang Sie können sich nicht mehr viel erlauben.“ Zuletzt haben sie sich eine 1:7-Niederlage erlaubt. Allerdings beim neuen Tabellenführer Spfr Eisbachtal. „Und die Niederlage ist auch noch vier Tore zu hoch ausgefallen, wir haben zwei Torschüsse in den Winkel bekommen und leichte Fehler gemacht. Zudem ist Eisbachtal eine der spielstärksten Mannschaften der Liga“, relativiert der Oberwinterer Trainer Deniz Öztürk. „Aber man muss jetzt abwarten, wie die Mannschaft diese Niederlage verdaut“, meint Susa. Da macht sich der TuS-Trainer keine Sorgen: „Die ist bei uns aus den Köpfen raus“, stellt er klar. Und von übermäßigem Druck will er auch nichts wissen: „Das ist für uns eins der Bonusspiele. Es ist ja erst mal schön, dass wir und in die Position gebracht haben, dass es für uns noch um was geht“, sagt er mit Blick aufs aktuell schwere Programm. Zuletzt hat es aus den Spielen gegen den Vierten TuS Mayen (4:1) und eben Eisbachtal drei Punkte gegeben, wenn jetzt gegen den ABC und dann später beim SV Morbach (12. Mai) noch mal drei Punkte heraussprängen, wäre das schön, so Öztürk. Der Druck zu punkten, bestehe in den anderen Partien in Mülheim-Kärlich (28. April), in TrierTarforst (4. Mai), gegen Neitersen (8. Mai) und gegen Malberg (18. Mai). Ändern will Öztürk nach dem 1:7 in Nentershausen nichts, weder am mittlerweile bewährten 3:5:2-System noch personell. „Dazu besteht kein Anlass“, stellt er klar. Verzichten muss er nur auf Antonio Halfen (Urlaub), dafür meldete sich Torwart Benjamin Kauert aus dem Urlaub zurück.

Worauf es ankommt? Darin sind sich beide Trainer einig: „Die Psyche entscheidet“, sagt Susa und liegt damit auf einer Linie mit Öztürk, der es so formuliert: „Es kommt darauf an, wer den Sieg mehr will.“ An eine Wiederholung des Hinspielergebnisses glauben beide nicht: Da hatte sich Ahrweiler vor 470 Zuschauern mit 6:0 durchgesetzt, wobei eine Rote Karte gegen Fabian Münch (27.) vorentscheidend war und Jan Rieder erst spät mit einem Hattrick das Ergebnis in die Höhe schraubte (86., 88., 90.). Überhaupt liegt Susa viel daran, dass seine Mannschaft den Tabellenletzten nicht nach dem aktuellen Tabellenstand bewertet: „Wir haben zuletzt mit Mülheim-Kärlich und Trier-Tarforst gegen Mannschaften gewonnen, die beide in diesem Jahr noch keinen Sieg errungen haben. Jetzt müssen wir uns umstellen, jetzt kommt ein Gegner von anderem Kaliber.“ Die Wertschätzung des Ahrweiler Trainers kommt auch darin zum Ausdruck, dass er nun für Samstag wieder vornehmlich auf routiniertere Spieler zurückgreifen will, nachdem er zuletzt auch jüngeren Spielern eine Chance gegeben hatte, wie etwa dem A-Jugendlichen Steffen Thelen, der gegen Mülheim-Kärlich zu seinem ersten Einsatz von Beginn gekommen ist. Angesichts seiner Überlegungen trifft es sich gut für Susa, dass mit Sebastian Sonntag nach seiner Rot-Sperre wieder ein Routinier zur Verfügung steht. „Spieler wie er sind Druck gewöhnt“, sagt Susa. Und den haben am Samstag alle, die auflaufen.

Deniz Öztürk Was er zum Gegner sagt: „Ahrweiler hat viele Spieler mit individueller Klasse. Mit einigen haben ich ja selbst noch selbst zusammen gespielt wie Paul Gemein, Sebastian Sonntag, Marco Liersch oder Yannick Schweigert. Ich würde Ahrweiler den Aufstieg gönnen. Was ihn zuversichtlich stimmt: „Wir sind in der Lage, der individuellen Klasse von Ahrweiler zu begegnen und sie zu begrenzen. Wir müssen es aber auch mit fußballerischen Mitteln lösen und dürfen es nicht nur wie im Hinspiel mit langen Bällen versuchen. Natürlich wäre ein frühes Tor gut oder möglichst lange ein 0:0. Die jüngsten Ergebnisse in der Rheinlandliga haben gezeigt, dass auch starke Mannschaften schlagbar sind.“

Jonny Susa Was er zum Gegner sagt: „Ich habe die Mannschaft zweimal gesehen, sie hat jetzt eine gewisse Ordnung. Deniz Öztürk hat es geschafft, jeden Spieler auf eine Position zu stellen, wo er am wertvollsten ist. Mannschaft und Trainer haben das Optimum herausgeholt und nach ihrer Serie viel Selbstvertrauen bekommen. Zuletzt haben sie aber zwei Niederlagen aus drei Spielen kassiert. Man muss sehen, wie sie das verdaut haben.“ Was ihn zuversichtlich stimmt: „Unsere aktuelle Verfassung. Zudem ist Sebastian Sonntag wieder dabei, und Almir Porca hat wieder zu alter Form gefunden. Die Mannschaft ist heiß, am Montag und Dienstag hatte ich 22 Spieler im Training

Quelle:Rhein-Zeitung

Comments are closed.