So schnell ruft Lopez beim TuS Oberwinter nicht den Notstand aus

Der TuS Oberwinter hat nach seinem Aufstieg in die Fußball-Rheinlandliga schon schönere Nachmittage erlebt als den am vergangenen Sonntag. Da führte der TuS zu Hause im Aufsteigerduell mit dem VfB Linz schon 2:0, spielte auch gut, hatte gute Chancen zu weiteren Treffern, agierte die letzte halbe Stunde sogar in Überzahl – und verlor am Ende doch mit 3:5. Ein Tiefschlag.

Da Trainer Tomas Lopez aber nicht zu denen gehört, die alles nur schwarz oder weiß sehen, will er vor dem nächsten Auswärtsspiel am Samstag (17 Uhr) bei der TuS Koblenz II auch nicht den Notstand ausrufen.

„Das ist nun mal Fußball“, sagt er. Ganz in Floskeln flüchtet er sich freilich nicht: „Wir haben phasenweise glänzend gespielt, aber dann nach der Gelb-Roten Karte gegen Linz einen Gang zurückgeschaltet, taktisch nicht mehr alles richtig gemacht und vor allem keine Ruhe mehr gehabt. Und nach den zwei Toren der Linzer hat sich dann eben eine Dynamik für sie entwickelt.“

So findet sich seine Mannschaft nach acht Spielen mit zehn Punkten auf Rang elf im Mittelfeld der Tabelle wieder – nicht grandios, aber allemal auch nicht schlecht. „Wir hätten vielleicht noch ein paar Punkte mehr haben können, aber wir müssen eben noch viel lernen. Das Positive überwiegt jedoch“, meint Lopez.

Tendenziell positiv gestaltet sich derzeit auch die Personallage, was zwischenzeitlich auch schon einmal ganz anders ausgesehen hat – auch wenn es eine schlechte Nachricht gibt: Thomas Enke hat sich im Training die Hand gebrochen und fällt erst einmal aus. Dafür hat Fabian Gilles schon gegen Linz wieder von Beginn an mitwirken können, für Sebastian Sonntag hat es wieder zu einem Kurzeinsatz gereicht, und Fabian Münch hat immerhin wieder auf der Bank gesessen. Furkan Kalin, zuletzt beruflich verhindert, steht am Samstag auch wieder zur Verfügung, zudem wird bald der Langzeitverletzte Yannick Schweigert wieder zurück sein. „Wir sind sehr zufrieden“, stellt Lopez mit Blick auf die Gesamtsituation dar.

Dass er mit gehörigem Respekt am Samstag zum Tabellenvierten fährt, versteht sich von selbst. „Diese Mannschaft erwarte ich am Ende der Saison unter den ersten drei. Wir fahren dahin und werden sehen, was geht. Um etwas zu holen, muss aber schon alles für uns passen.“

Auf einem guten vierten Platz rangiert die TuS-Reserve, weil sie auch in Mehring ihre Auswärtsstärke demonstrierte und mit einem 2:1-Erfolg im Gepäck die Rückreise antrat. Aber es wäre noch mehr möglich, wenn nicht die latente Heimschwäche wäre. Alle drei bisherigen Heimspiele konnten nicht gewonnen werden und endeten jeweils mit einem Unentschieden. Die alles entscheidende Frage formuliert der Koblenzer Co-Trainer Mark Schraivogel: „Wie bekommen wir es hin, den ersten Heimsieg unter Dach und Fach zu bringen?“ Dass es gegen den Aufsteiger aus Oberwinter nicht leicht wird, haben die drei Remis schon gezeigt, auf eigenem Platz tun sich die Schützlinge von Trainer Dirk Laux unerwartet schwer. „Eine richtige Erklärung dafür haben wir auch nicht. Wir werden im Training daran arbeiten, dass diese merkwürdige Heimschwäche ihr Ende findet und nicht zu einem Trauma wird“, erklärt Schraivogel.

Allerdings steht den Koblenzern nicht der komplette Kader zur Verfügung. Delil Arbursu und Tobias Schnabel sind nicht mit dabei, hinter dem Einsatz von Aleksandar Naric steht noch ein Fragezeichen. „Egal, wer am Samstag auch auflaufen wird: Jeder muss den unbedingten Willen mitbringen, die kleine Negativserie zu beenden. Den schwachen Heimauftritten immer wieder einen Auswärtssieg folgen zu lassen, wird ja auf Dauer auch nicht immer gelingen“, meint Schraivogel

Dass man in Koblenz durchaus punkten kann, hat zuletzt noch die SG Eintracht Mendig/Bell bewiesen, die dort zu einem 0:0 gekommen ist. Lopez hat den Gegner schon vor etwas längerer Zeit in Augenschein genommen und dabei ebenfalls ein Remis gesehen: am 5. August, als die SG Betzdorf in Koblenz 2:2 gespielt hat. „Ich habe die Aufstellung von diesem Spiel mit dem vom letzten verglichen. Da gab es Unterschiede auf sechs Positionen“, berichtet Lopez mit Blick auf das jüngste 2:1 der Koblenzer Reserve beim SV Mehring. Sein Fazit: „Taktisch kann man sich vielleicht auf den Gegner einstellen, nicht aber personell.“

Zumindest gibt es einige Bekannte im TuS-Kader: Kevin Kostrewa hat auch schon mal für den TuS Oberwinter gespielt. Mit vier Treffern ist er zusammen mit dem Ex-Bad Breisiger Delil Arbusu der bisher erfolgreichste Koblenzer Torschütze. Er war auch schon für die SpVgg Burgbrohl in der Oberliga aktiv, ebenso wie Lars Bohm, der in dieser Saison zweimal für Koblenz II getroffen hat.

Quelle:Rhein – Zeitung