Das gab es noch nie in der Geschichte des Bitburger-Rheinlandpokals: Wenn sich am Mittwoch, 16. März, ab 19.30 Uhr, im ersten Halbfinale des laufenden Wettbewerbs die SG Hoher Westerwald Niederroßbach/Emmerichenhain aus der Rheinland-Kreisliga A Westerwald/Sieg und der klassenhöhere Bezirksligist TuS Oberwinter gegenüberstehen, kommt es in der Vorschlussrunde zum Vergleich eines Acht- und eines Siebtligisten.

Weitaus standesgemäßer ist da schon die zweite Halbfinalpartie: Der Titelverteidiger FSV Salmrohr aus der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar und Südwest-Regionalligist Eintracht Trier treffen am Mittwoch, 20. April, ab 17.30 Uhr, aufeinander. Die Sieger sind beim Finaltag der Amateure am 28. Mai dabei.

Favorisierte Gegner auszuschalten, haben sowohl Niederroßbach, wie auch Oberwinter in den Runden zuvor reihenweise geschafft. Im Viertelfinale feierte man im Westerwald ein 2:1 gegen Rheinlandligist Sportfreunde Eisbachtal, in Oberwinter stolperte der Oberligist SV Mehring und verlor mit 0:2. „Am Mittwoch erwartet meine Jungs ein Riesending“, frohlockt SG-Trainer Nihad Mujakic. Der 39-jährige Ex-Profi der TuS Koblenz, der Sportfreunde Siegen und der Trierer Eintracht beobachtete Oberwinter eigens am Freitag beim 0:2 gegen den FC Alemannia Plaidt: „Wir sind auch diesmal nicht der Favorit. Wenn alles passt, sind wir aber in der Lage, das Spiel zu gewinnen.“

Sein Team stimmte sich am Sonntag in der A-Klasse Westerwald/Sieg mit einem klaren 5:0-Sieg gegen die SpVgg Lautzert-Oberdreis auf das Pokal-Halbfinale ein, womit die Tabellenführung manifestiert wurde. „Das war die Pflicht, Mittwoch folgt die Kür“, stellt Mujakic klar – und schiebt nach: „Die Meisterschaft hat für uns Priorität.“ Und dennoch: Auf das Duell mit Oberwinter sind sie im Dreiländereck Rheinland-Pfalz/Hessen/Nordrhein-Westfalen besonders heiß. 1.500 Zuschauer werden im 820-Seelen-Dorf erwartet, darunter 150 aus dem 100 Kilometer entfernten, am Rhein gelegenen Oberwinter.

„Den Finaleinzug würden wir bis zum Morgengrauen feiern“
Auf besonderes Tamtam verzichten sie bei der Spielgemeinschaft Hoher Westerwald: Treffpunkt ist wie gehabt eineinhalb Stunden vorher. Bei Kaffee und Kuchen bittet Coach Mujakic („Lieber ein dreckiges Spiel, als eine große Show.“) zunächst zur Mannschaftsbesprechung. Der Hartplatz sei bestens präpariert, versichert er. Die rote Erde von Niederroßbach könnte ein großer Vorteil sein gegen an Kunstrasen gewöhnte Gäste.

In der Vorbereitung vertrauen Mujakics Schützlinge auch wieder den Künsten von Nam Luckenbach. Die aus Thailand stammende Masseurin hatte bereits im Herbst wertvolle Arbeit geleistet, als die SG-Spieler angesichts der vielen englischen Wochen im Dauerstress waren und von ihr gerne die müden Muskeln wieder auf Vordermann bringen ließen. „Nam macht das sehr gut, hat auch eine super Ausstrahlung. Sie hilft uns enorm“, lobt Mujakic.

Der Post-Angestellte hat sich genauso wie viele seine Spieler bereits sicherheitshalber für den Donnerstag Urlaub genommen („Den Finaleinzug würden wir bis zum Morgengrauen feiern.“). Die Landespokal-Endspiele werden am Finaltag der Amateure am 28. Mai per Konferenzschaltung live in der ARD übertragen – ein weiterer, großer Anreiz.

Auch beim Gegner TuS Oberwinter sind „alle scharf auf dieses Spiel“, wie der Vorsitzende Antonio Lopez betont. „Wir in einem Rheinlandpokal-Halbfinale als Favorit – das ist schon eine absolute Sensation“, gibt er zu. „Nach dem Abstieg aus der Rheinlandliga haben wir im vergangenen Sommer fast den kompletten Kader halten können. Wir sind zwar Tabellenvierter, können uns den direkten Wiederaufstieg aber wohl abschminken. Trotzdem sieht man, dass unsere Mannschaft eingespielt ist und Potenzial hat“, berichtet der Oberwinterer Klubchef, dessen Bruder Tomas als Trainer fungiert.

Er selbst wirkte beim bislang größten Pokalauftritt des Vereins mit: Am 10. Oktober 1981 bestritt der TuS ein DFB-Pokal-Gastspiel beim Bundesligisten VfB Stuttgart. Weitaus schmerzhafter als die damalige 1:10-Schlappe vor ganzen 2.300 Zuschauern im Neckarstadion – seinerzeit hatten Amateure noch kein automatisches Heimrecht – war für Antonio Lopez eine unliebsame Begegnung mit Nationalspieler Karl-Heinz Förster: „Er hat mir das Schienbein durchgetreten…“

Als Halbfinalist des Verbandspokals schafften die Grün-Weißen damals noch den Sprung in die Hauptrunde. 2007 war man nochmal nahe dran, verlor aber im Endspiel hauchdünn 1:2 nach Verlängerung gegen Eintracht Trier.

Vor der SG Hoher Westerwald hat Lopez einigen Respekt: „Sie haben einige Spieler in ihren Reihen, die Oberliga gespielt haben oder dies könnten.“ Gemeint sind damit besonders der frühere kroatische U18-Nationalspieler Kristijan Golik, der einstige Eisbachtaler Zvonko Juranovic und der frühere Bezirksliga-Ost-Top-Goalgetter Mario Pavelic. Gut in Schuss ist auch David Quandel, der es nach seinen drei Treffern in der Generalprobe nun schon auf 22 A-Liga-Tore bringt.

Autor: Andreas Arens
Quelle:Fußball.de