TuS Oberwinter: Euphorie mit Bodenhaftung verbinden

Einen besseren Einstand kann man als Trainer gar nicht feiern: erstes Spiel – erster Sieg. Und zwar mit 4:0 nicht nur der höchste der Saison, sondern auch noch der erste in dieser Spielzeit ohne Gegentor. Dazu einer, der nicht nur kämpferisch keine Wünsche offen ließ, sondern auch spielerisch einiges zu bieten hatte.

Klar also, dass beim Fußball-Rheinlandligisten TuS Oberwinter Freude, Erleichterung und Zuversicht nach dem überzeugenden Heimerfolg gegen den FSV Salmrohr vorherrschten. Auch und gerade beim neuen Trainerduo Deniz Öztürk und Bünyamin Kilic.

Für die beiden bestand eine wesentliche Aufgabe in dieser Woche nun aber darin, das so lange vermisste Erfolgsgefühl zwar nicht gleich wieder zu unterbinden, aber trotzdem auch schon mal den Blick auf die nächste Aufgabe zu richten. Schließlich geht es für den immer noch Tabellenletzten am Sonntag (15.30 Uhr) zu einem weiteren direkten Konkurrenten, dem SV Windhagen, Drittletzter mit zehn Punkten Vorsprung.

Woraus sich die Bedeutung der Partie gleich ablesen lässt: Es geht nicht nur darum, unter Beweis zu stellen, dass der Erfolg gegen Salmrohr keine Eintagsfliege war, sondern auch und gerade darum, im Kellerduell einen direkten Konkurrenten nicht entwischen zu lassen. Bei 13 Punkten Rückstand im Fall einer Niederlage wäre die Bezeichnung „direkter Konkurrent“ nämlich schon weit hergeholt, auch bei einem noch weniger bestrittenen Spiel.

„Wenn wir jetzt nicht nachlegen, war der Sieg gegen Salmrohr nichts wert“, macht Öztürk folglich auch deutlich. Und darum hat er seiner Mannschaft am Dienstag beim Training einen „ersten Dämpfer“ verpassen müssen, wie er sagt: „Es ist eben ein schmaler Grat zwischen Selbstbewusstsein und Überheblichkeit. Ich habe keine Schwierigkeiten damit, jemanden auf die Bank zu setzen, der jetzt im Training nicht richtig mitzieht.“ Die Kunst für ihn besteht nun darin, die entstandene Euphorie zu nutzen, ohne dass die Spieler dabei die Bodenhaftung verlieren.

Grundsätzlich besteht jedenfalls kein Grund zu Umstellungen. Der Kader ist komplett, zumal auch Tim Palm wieder zurück ist, der gerade Vater geworden ist und darum am Sonntag fehlte. „Ich könnte über jeden nur Positives sagen. Da lässt sich niemand hervorheben“, lobt Öztürk die Leistung der gesamten Mannschaft. Die hat ihn am Sonntag sogar überrascht. Nicht, dass er ihr nichts Gutes zugetraut hätte. Das Vertrauen in die Spieler sei schon da gewesen, versichert er. Aber nach der doch eher schwierigen als erfolgreichen Vorbereitung angesichts vieler personeller Ausfälle bestand eben doch die Frage, wo die Mannschaft denn nun wirklich steht.

Das hat sie nun bewiesen. „Im Spiel haben Sachen funktioniert, die im Training nie geklappt haben“, wundert sich Öztürk, der daraus nun aber auch einen Anspruch ableitet: „Mit der guten Leistung haben die Jungs nun die Messlatte selbst hoch gehängt. Daran werden wir sie jetzt messen.“

Schließlich reicht ein Sieg allein noch lange nicht, um vielleicht doch noch den Klassenverbleib zu schaffen.

Freilich stehen auch die Gastgeber unter Erfolgszwang. „Wir brauchen gegen Oberwinter unbedingt einen Dreier. Dies ist ein absolutes Schlüsselspiel. Verlieren verboten. Wir wollen die Abstiegsplätze so schnell wie möglich wieder verlassen“, sagt Tobias Blumenthal, Sportlicher Leiter der Windhagener.

Die haben in diesem Jahr bislang noch kein Tor erzielt. Auf das 0:1 zu Hause gegen den Ahrweiler folgte auswärts aber immerhin ein 0:0 bei der SG Mülheim-Kärlich. „Da waren wir die bessere Mannschaft und hätten gewinnen können“, meint Blumenthal. Das können die Oberwinterer auch vom Hinspiel gegen Windhagen behaupten. Dort hatten sie bis zur 82. Minute mit 3:1 geführt, ehe nach dem 2:3 noch das 3:3 in der vierten Minute der Nachspielzeit fiel. „Das war sehr unglücklich“, erinnert sich Öztürk. Aber diese unglücklichen Zeiten sollen für den TuS nun ein Ende haben. map

Quelle:Rhein-Zeitung