Die leidgeprüften Nachbarn Oberwinter und Andernach sehnen im direkten Duell einen Erfolg herbei

Unter besonderen Vorzeichen steht das Derby in der Fußball-Rheinlandliga am Sonntag (14.30 Uhr) zwischen dem TuS Oberwinter und der SG 99 Andernach: Es ist ein Treffen zweier alter Rivalen, die zu gemeinsamen Bezirksligazeiten um den Aufstieg stritten – und nun, eine Klasse höher, ein Duell zweier Mannschaften, die nach vier Spielen ohne Sieg wieder ein Erfolgserlebnis herbeisehnen.

Und doch bestehen Unterschiede: Während der Andernacher Trainer Franz Kowalksi nach dem jüngsten 3:7 zu Hause gegen den SV Mehring von einer „Abwärtsspirale“ sprach, sieht sich sein Oberwinterer Kollege Tomas Lopez noch im Soll: „Wenn wir am Ende der Saison da stehen, wo wir jetzt sind, bin ich hochzufrieden. Bei Andernach waren die Erwartungen vor der Saison bestimmt andere.“

Beklagen mag sich Lopez nicht, auch wenn es zuletzt am nötigen Fortüne mangelte. So findet sich der Trainer nun in der paradoxen Rolle wieder, nach zehn Gegentoren in den vergangenen beiden Spielen (2:5 bei der TuS Koblenz II und 3:5 gegen den VfB Linz) seine Mannschaft dennoch in Schutz zu nehmen. „Mit vielen Phasen bin ich zufrieden“, stellt er klar. Das hatte er auch schon in der Vorwoche betont nach der Niederlage gegen Linz. Aber wie schon da lässt sich ihm auch diesmal nur schwerlich widersprechen.

Hatte seine Mannschaft die Partie gegen Linz nach einer verdienten 2:0-Führung am Ende in Überzahl noch aus der Hand gegeben, machte sie nun auch beim Vierten Koblenz II über lange Zeit eine gute Figur. Sie führte lange Zeit mit 1:0 und handelte sich drei der fünf Gegentore erst ab der 85. Minute ein. „Das 1:1 ist aus heiterem Himmel gefallen. Danach hat in die Mannschaft ein paar Minuten gebraucht, um sich zu sammeln und in dieser Zeit das Spiel verloren“, resümiert Lopez. Denn kurz nach dem Ausgleich (68.) fiel auch das 1:2 (74.). Danach machte Oberwinter auf – und kassierte eben noch weitere Gegentreffer.

Womit der Aufsteiger wieder einmal teures Lehrgeld gezahlt hat. „Wir müssen lernen, über die gesamte Spieldauer konzentriert zu bleiben“, wünscht sich Lopez, den aber der Umstand weiterhin beruhigt, „dass wir absolut konkurrenzfähig“ sind. Freilich darf sich diese Konkurrenzfähigkeit nun gern auch einmal in einem Sieg niederschlagen. Auf den wartet der TuS seit dem 26. August (5:1 bei der SG Badem).

Praktisch ebenso lange blieb auch dem Nachbarn aus Andernach ein Erfolg verwehrt, der seit dem 3:1 gegen den VfB Linz am 27. August in der Meisterschaft vier Niederlagen kassierte.

Von der Stärke des Gegners ist Lopez dennoch überzeugt. „Die Mannschaft hat viel Qualität“, sagt er nicht zuletzt mit Blick auf die Andernacher Standards: „Der Jan Hawel vorn ist eine Kante, Daniel und Tim Kossmann sind gefährliche Freistoßschützen, und Philipp Schmitz kann Einwürfe wie Flanken in den Strafraum bringen – Standards sollten wir vermeiden.“ Was, wie er weiß, natürlich einfacher gesagt als getan ist, wenn man körperlich richtig dagegenhalten will.

Nicht dagegenhalten können am Sonntag jedoch Mirco Koll und Fabian Groß (beide privat verhindert) sowie Thomas Enke und Yannick Schweigert (beide verletzt).

Oberwinter als Gegner ist natürlich schon etwas Besonderes aufgrund der Vergangenheit in der Bezirksliga und der räumlichen Nähe“, weiß auch SG 99-Trainer Franz Kowalski. „Vielleicht haben wir den TuS in den letzten Jahren überholt, aber in einem Spiel ist das Makulatur.“

Beide Teams durchleben momentan die erste Ergebniskrise der Saison. Sowohl die Bäckerjungen als auch die Mannschaft von der Bandorfer Höhe haben zuletzt vier Mal in Serie nicht gewonnen. Die SG 99 ging in allen diesen Spielen als Verlierer vom Platz und kassierte insgesamt 16 Gegentreffer, zuletzt sieben auf einen Streich gegen den SV Mehring.

„16 Gegentore schmerzen natürlich, und das Trainingsgefühl ist ein anderes bei einer solchen Serie. Aber dennoch ist nicht alles schlecht. Wir haben zwei Mal in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gezeigt, nur die Tore nicht gemacht“, blickt Kowalski zurück. „In Oberwinter heißt es zunächst zurück zur Basis. Wir werden uns wieder etwas defensiver ausrichten und versuchen, Gegentore zu vermeiden. Den Oberwinterer Spielstil kennen wir gut. Ähnlich wie bei uns ist dort ein Stamm von Spieler seit Jahren dabei. Wir erwarten viele hohe Bälle und einen robusten Gegner.“

Im Vergleich zur Vorwoche wird sich der Andernacher Kader kaum ändern. Noch immer lädiert ist Angreifer Daniel Kossmann, der einen Trainingsversuch unter der Woche abbrechen musste. Für die Startelf wird es bei Kossmann kaum reichen.

Quelle:Rhein -Zeitung